Sky So High

It’s getting better and better – Monat 2 in Australien

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Der erste Monat (klick auf den grünen Link zu es zu lesen) hier war ja ziemlich durchwachsen. Ich hatte Gefühle, mit denen ich absolut nicht klar kam. Außerdem musste ich mein Hostel bald verlassen, weil es keine freien Plätze mehr gab und die Wohnungssuche lief auch alles andere als gut. Einen Job hatte ich ebenfalls nicht.

Eines meiner persönlichen Hauptprobleme ist, dass ich immer alles aufschiebe – und umso mehr ich eigentlich zu erledigen hätte, umso weniger davon erledige ich tatsächlich. 3 Tage bevor ich also aus meinem Hostel ausziehen musste, beschloss ich mich einfach mal mit einem Buch an den Strand zu legen und den ganzen Tag nichts anderes zu machen als dieses Buch zu lesen. Warum auch immer ich diese Idee hatte. Eigentlich ist mir so was viel zu langweilig.

Nach 30 Minuten habe ich das dann auch eingesehen und fing an, in Facebook ein paar Freunde anzuschreiben, um zu fragen, ob sich jemand treffen will. Dabei sah ich in einer Work&Travel Facebook-Gruppe zufällig einen Post von jemandem, der seinen Platz in einer Shareflat schnellstmöglich weitervermieten wollte. Ich schrieb ihm, er antwortete mir und zwei Stunden später war ich zur Besichtigung von Ort. Eigentlich war ich viel zu faul und lustlos, weil ich am anderen Ende der Stadt war, aber irgendwie hatte ich ein gutes Gefühl dabei.

Meine geliebte 902

Der erste Eindruck der Wohnung, Nummer 902, war wirklich nicht besonders gut – überall standen dreckiges Geschirr und leere Bierdosen herum, außerdem krabbelten Kakerlaken den Kühlschrank entlang, die Wände waren vollgekritzelt und die Möbel sahen sehr mitgenommen aus.

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Das einzig gute war eigentlich die Terrasse – neunter Stock, das höchste Stockwerk, und Zugang zum Dach (provisorisch über das Geländer.)
Insgesamt hatte die Wohnung 2 Zimmer mit jeweils 2 Stockbetten, ein Pärchen teilte sich allerdings ein Bett, so dass wir insgesamt zu neunt dort lebten.
Laut australischem Gesetz dürfen auf dieser Raumgröße nur maximal 4 Leute zusammenleben. Daher war es verboten, Fremde in die Wohnung zu lassen. Es könnte jederzeit jemand kommen, der das überprüft. Das ganze war einfach illegal bis zum Himmel. Unsere Miete hatten wir in einem Supermarkt gegenüber zu bezahlen. Auf die Frage, ob ich für die 280$ Miete (140/Woche, wir mussten immer 2 Wochen im Voraus bezahlen) auch eine Quittung bekomme, sagte der Vermieter nur „No?!“

Da verstand ich, dass das alles nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht. Später erfuhr ich dann, dass unser Vermieter auch schon ein paar Jahre im Knast saß, weil er illegal Wohnungen untervermietet hatte, und einmal mehrere Backpacker bei einem Wohnungsbrand gestorben sind, da die Rauchmelder nicht gingen und die Wohnung hoffnungslos überfüllt war. Über den Vermieter gibt es sogar eine kurze Doku auf Youtube.
Wenn ich meine eigenen Worte so lese, weiß ich gar nicht genau, warum ich dort eingezogen bin und was mich so von dieser Wohnung überzeugt hat. Ich hatte aber einfach auf anhieb das Gefühl, dass das meine Wohnung ist und ich dort hingehöre! Manchmal fühlt man das einfach.

Schon in den ersten Tagen nach Einzug ging es mir viel besser, eigentlich sogar besser als jemals zuvor. Meine Mitbewohner waren einfach extrem nett und ich fühlte mich von Anfang an wie zuhause.
In den Hostels hatte ich immer so das Gefühl, dass alles zeitlich begrenzt ist und man eben versucht, aus der kurzen Zeit die man gemeinsam hat, das beste zu machen. Doch hier war das anders. Wir waren alle auf einer Wellenlänge und die ganze Atmosphäre hat sich fast schon familiär angefühlt. Außerdem war von Anfang an klar, dass wir die nächsten Wochen zusammen wohnen werden, was die ganze Situation noch mal wesentlich entspannter machte, denn wir wussten, dass wir miteinander auskommen mussten. Normalerweise, bis auf wenige Ausnahmen, bin ich zu faul mich auf Reisen zu 100% auf Menschen einzulassen, ihnen zuzuhören und mich zu öffnen, denn ich weiß, dass der Kontakt nur von kurzer Dauer sein wird. Ich genieße es sehr, auf Reisen jeden Tag jemand anders sein zu können. All das war aber hier nicht der Fall. Ich war einfach ich selbst und wir haben uns alle super verstanden. Es fühlte sich an wie ein Stück Heimat am anderen Ende der Welt. Und dieses Gefühl war eine tolle Abwechslung.

Geld verdienen und Leben genießen

Durch einen Freund aus dem Hostel kam ich an einen Job im Warehouse, der mit 22.5$/h relativ gut bezahlt war. Insgesamt habe ich diesen Job 4 Leuten weitervermittelt, u.a auch meinem Mitbewohner, so dass wir immer gemeinsam dort hingefahren sind. Die Arbeit dort war totlangweilig aber anstrengend: Container entladen und anschließend den Inhalt in die Regale einräumen. Aber okay, Geld ist Geld. Nach und nach fanden alle Mitbewohner einen Job, sodass wir eigentlich nur noch die Abende und am Wochenenden gemeinsam verbrachten. Die hatten es dafür aber in sich.
Wir feierten fast jeden Abend Partys in unserer Wohnung mit viel Gras und Alkohol, und die ganze Flat war dabei. Meistens brachten wir noch andere Freunde mit, so dass wir immer eine große Runde waren und es nie langweilig wurde.

Der Nachteil war natürlich, dass ich jeden Tag nur ca. 3 – 4 Stunden Schlaf hatte, aber am nächsten Tag teilweise 12 Stunden schwere körperliche Arbeit verrichten musste. Ich fühlte mich aber emotional so gut, dass das kein Problem war. Meistens jedenfalls.

Eines Tages hatten wir die Idee, „Gasbomben“ zu kaufen um die Kakerlaken auszuräuchern. Wir hatten im Vorhinein stundenlang die ganze Wohnung geputzt, alle Sofas und Stühle auf die Terrasse getragen, ein paar Bier bereitgestellt, uns ausgesperrt und die Gasbomben letztendlich gezündet.
Was wir allerdings vergessen haben, war die Rauchmelder abzustellen. Also kam einige Minuten später die Feuerwehr mit einer ganzen Menge Einsatzwägen, die Bewohner des Hauses standen auch schon alle auf der Straße, und wir saßen biertrinkend auf dem Balkon und wussten nicht, was wir machen sollten. Immerhin war die ganze Wohnung voll mit dem giftigen Gas um die Kakerlaken auszuräuchern, und wir wussten nicht was passiert, wenn wir durchlaufen und es einatmen.
Irgendwann haben wir uns dann aber doch dazu entschieden, es zu riskieren, haben tief eingeatmet und sind die Feuertreppen hinuntergelaufen. Die Feuerwehr kam uns dann schon entgegen, und als wir ihnen sagten, was passiert war, lachten sie nur und sagten „Fucking Cockroaches everywhere..
Das Problem war nur, dass die Feuerwehr die Rauchmelder abstellte, und sich keiner von uns getraut hat, unseren Vermieter zu fragen, ob er sie wieder anstellen kann. Also lebten wir von da an die restlichen Wochen ohne Rauchmelder, was aber zum Glück, erstaunlicherweise, gut ausging.

Geschichten wie diese gab es in der 902 wöchentlich, es war einfach eine unvergesslich coole, lustige und abwechslungsreiche Zeit.

Nach jedem Hoch folgt irgendwann ein Tief

Natürlich, wie immer im Leben, konnte es nicht ewig so perfekt weitergehen. Einen Tag vor Weihnachten sagte mir meine Freundin, dass sie mich nicht mehr liebt und keinen Sinn mehr in  unserer Beziehung sieht. Wie es mir die darauffolgenden Wochen ging, nachdem ich den wohl wichtigsten Menschen in meinem Leben verloren habe, brauche ich wohl eigentlich nicht genauer erläutern. Aber ich mache es trotzdem kurz:

Ich habe 5 Tage lang so gut wie nichts gegessen, hatte Bauchschmerzen und Übelkeit rund um die Uhr. So ein Gefühl hatte ich noch nie in meinem Leben verspürt. Es wird zwar jeden Tag ein bisschen besser, aber dennoch denke ich noch oft zurück und vermisse die Zeit mit ihr. Den Schritt nach Australien zu wagen war aber definitiv richtig, und daher bereue ich es nicht, dass meine Beziehung dadurch kaputt ging. Es sollte eben nicht sein, und sie ist nicht die Richtige. Diese Worte zu akzeptieren ist zwar leichter gesagt als getan, aber es wird von Tag zu Tag besser.

Goodbye Sydney, let’s get the adventure started!

Am 05.01.15 war es endlich so weit: Wir alle kauften uns Autos, insgesamt 3, und starteten unseren Roadtrip hinauf die Ostküste. Das ist jetzt, am Tag der Veröffentlichung dieses Blogposts, genau 2 Wochen her. Mittlerweile hat sich so einiges verändert und die letzten 2 Wochen waren unglaublich, unbeschreiblich und wunderschön. Leider sind auch ein paar sehr negative Dinge passiert, aber das ist okay. Das gehört dazu im Leben.
In meinen nächsten Blogposts erzähle ich dann alles über unseren Roadtrip.

Nur soviel vorab: Ich hätte mir nie gedacht, dass es so schön wird. Die folgenden Blogposts werden euch umhauen!

Wer schreibt hier?

Hi, ich bin Alex! Reisen war schon immer meine Leidenschaft. Nach vielen Trips quer durch Europa und knapp einem Jahr in Australien, bin ich jetzt erst mal wieder in Deutschland gestrandet. Da mich allerdings der "Travelbug" gebissen hat, geht das Reisen natürlich weiter! Hier findest du Erfahrungen aus erster Hand, hilfreiche Tipps und Empfehlungen. Enjoy!

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