Sky So High

Die Wahrheit: Mein erster Monat in Australien

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Als ich am 28.10.14 in Sydney gelandet bin, wohnte ich für ziemlich genau einen Monat nur in Hostels, was wirklich eine tolle Erfahrung war. Man lernt permanent neue Leute aus aller Welt kennen, hört sich hunderte spannende Geschichten von den verschiedensten Menschen an und lernt dabei extrem viel. Außerdem findet man sofort Anschluss, denn jeder hat das gleiche Ziel: eine coole Zeit haben, nette Leute kennenlernen, viele einzigartige Dinge erleben und einfach das Leben genießen. Dadurch, dass man im Dorm wohnt, also kein eigenes Zimmer hat, sondern sich mit mehreren Personen ein Zimmer teilt, ist das Eis untereinander auch schnell gebrochen und die Atmosphäre ist (meistens) wirklich angenehm.

Genau diese Worte lest ihr wahrscheinlich in jedem Blog, und das auch nicht zu unrecht, denn es stimmt zu 100%. Bei mir war es aber am Anfang leider so, dass ich das alles gar nicht schätzen wollte und konnte. Ich habe mich die meiste Zeit einfach nur unwohl gefühlt.

Warum?

Um ehrlich zu sein: Ich war ich in den ersten Tagen wirklich nicht besonders überzeugt davon, den Schritt nach Australien gewagt zu haben. Ich hatte mich so viele Monate darauf gefreut, doch als es dann soweit war, der Moment, als ich in Sydney aus dem Flugzeug gestiegen bin, und das erste mal so richtig realisierte, was ich da eigentlich gerade mache, hat mich ziemlich fertig gemacht. Ich hing mit den Gedanken einfach noch zu sehr in Deutschland. Und vor allem an meiner Freundin. Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon 5,5 Jahre zusammen, und die schlimmste Vorstellung war, dass unsere Beziehung diese Entfernung nicht tragen kann. Es war teilweise sogar so, dass ich in der Früh aufgewacht bin und hoffte, dass das alles nur ein böser Traum war und ich eigentlich gerade zuhause neben ihr in München aufwache. Der Versuch einzuschlafen war aber fast noch schlimmer: 1 Millionen Gedanken kreisten in meinem Kopf, und noch dazu der Jet Lag. Eigentlich war ich die ersten 4 Tage durchgehend wach. Und zwar hellwach. Ich verspürte keine Müdigkeit.

Im Nachhinein habe ich auch eine einfache Erklärung für das alles gefunden: Ich habe mein Leben in Deutschland nie so besonders gemocht, mir hat immer etwas gefehlt. Ich wollte einfach raus aus dem Alltag, raus aus der Stadt, in der ich seit 21 Jahren lebe und ein langweiliges 0815 Leben führe. Ich wollte Abenteuer, Abwechslung, einzigartige Erfahrungen, Grenzerfahrungen, über meinen Schatten springen, aufwachen und nicht wissen, was mir der Tag bringt, selbstständig werden, und noch so vieles mehr. Und ich wusste ganz genau, dass mir Australien das alles bieten kann.

Es klingt vielleicht blöd, aber irgendwie dachte ich, ich steige hier aus dem Flugzeug und bin automatisch glücklich. Australien schien mir der perfekte Ausweg aus all meinen Problemen zu sein und mir die Möglichkeit zu geben, einfach alles in Deutschland zurückzulassen und endlich durchzustarten. Weil aber genau das Gegenteil der Fall war, ging es mir noch schlechter als davor. Und als es die nächsten Tage gefühlsmäßig immer noch schlimmer wurde, fühlte ich mich auch immer noch schlechter und schlechter. Ich hatte erwartet dass es besser wird, aber es wurde immer schlimmer. Noch dazu kamen die ganzen Fragen von Freunden, Familie und Bekannten: „Na, wie ist es denn?“ „Gefällt es dir?“ „Hast du Spaß?“ Am liebsten hätte ich gesagt „Nein, es ist scheiße und ich bereue es.“ Irgendwie verspürte ich aber so einen Druck mich glücklich fühlen zu müssen, dass ich sagte, mir geht es gut und ich fühle mich wohl. Immerhin hatte ich monatelang davon geschwärmt und auf die Frage, ob ich denn keine Angst habe und ob ich mir dabei wirklich sicher bin, immer cool geantwortet: „Nö, ich habe keine Angst. Das wird bestimmt die beste Zeit meines Lebens.“ Und nach dieser Lüge fühlte ich mich natürlich noch schlechter. Außerdem hatte jeder um mich herum Spaß und war glücklich, genau so wie ich es von mir erwartet hatte, nur ich war es nicht. Also fragte ich mich, was mit mir los ist. Bin ich nicht normal?
Die ersten 5 Tage in Sydney waren, von außen betrachtet, auch wirklich cool. Aber vollkommen glücklich war ich trotzdem nicht. Es war einfach ein Teufelskreis und ich hatte keine Ahnung, wie ich ihn durchbrechen sollte.

Der Grund, weshalb ich das hier so offen niederschreibe ist, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass nicht nur ich so am Anfang gefühlt habe. Ich habe mit gefühlt hunderten Leuten geredet, und alle meinten „Going to Australia was the best decision ever. From the first moment on.“ Als ich dann anfing zu erzählen, dass die ersten Wochen für mich eher eine Qual waren, sagten dann sehr viele, dass sie sich ähnlich gefühlt haben. Bevor ich nach Australien kam las ich immer nur, wie toll alles ist. Dass aber auch das Gegenteil oft der Fall ist, darüber wird meistens geschwiegen. Ich hoffe dieser Text erreicht einige Leute, die ähnlich fühlen bzw. kurz davor sind den Schritt zu wagen und sich ähnlich fühlen werden. Und ich kann euch zu 100% sagen: Es wird besser. Und ihr werdet garantiert eine unvergessliche Zeit haben, wahrscheinlich sogar die beste eures Lebens. So wie ich mittlerweile.

Better Times are coming

Um meinen ersten Monat in Australien kurz zusammenzufassen: Ich hatte teilweise die traurigsten Gefühle in meinem ganzen Leben, aber auch einige der Schönsten. Das Gefühlskarussell, wie oben erwähnt, zog sich ca. 2 Wochen lang, und dann wurde es plötzlich besser.
Meine Freundin vermisste ich zwar immer noch extrem, und das Einschlafen und Aufwachen war auch weiterhin eine Tortur, aber tagsüber fühlte ich mich teilweise so glücklich wie schon lange nicht mehr. Ich unternahm viel mit anderen Leuten aus dem Hostel, wir besuchten sämtliche Strände, gingen Surfen, waren jeden Abend unterwegs und gingen auf wirklich coole Partys. Außerdem machten wir so ziemlich alles was im Lonely Planet stand und waren typische Klischee Touristen, aber es machte mir Spaß und mir ging es endlich richtig gut. Das erste Mal über die Harbour Bridge gehen und das Opera House aus dieser Perspektive sehen, wie ich es seit Jahrzehnten nur von Fotos kenne. Beeindruckend. Das war nur eine von zig Erfahrungen, die mich wirklich sprachlos machten. Ich lernte das alles endlich zu schätzen und genoss es in vollen Zügen.

Die Wohnungssuche in Sydney

Da die Preise für Hostels in Sydney zum Jahresende ins unermessliche steigen, weil gefühlte 90% der Weltbevölkerung Weihnachten und Sylvester dort verbringen wollen, wurde es neben den steigenden Preisen auch immer schwerer überhaupt noch einen Schlafplatz zu bekommen. Daher beschloss ich Anfang Dezember mir eine Shareflat zu suchen. Im Prinzip ist das auch nichts anderes als ein Hostel, nur dass man einen Minimumaufenthalt von 1 – 3 Monaten haben muss und etwas mehr Privatsphäre hat. Man teilt sich i.d.R. eine ganz normale Wohnung mit mehreren Leuten und schläft meist mit 4 Personen in einem Zimmer. Außerdem gibt es Wifi, Waschmaschine und Trockner umsonst und auch alle sämtliche Kosten, wie Strom und Wasser, werden vom Vermieter bezahlt. Die Preise dafür variieren je nach Lage und Ausstattung von 120$/Woche – 250$/Woche. (1€ = 1,45$)

Natürlich war ich nicht der einzige Backpacker, der den lächerlich hohen Hostelpreisen entgehen wollte, und so war die Suche sehr schwierig. Ich schrieb mindestens 100 Leute auf 3 verschiedenen Portalen an, die einen Platz in einer Wohnung zu vermieten hatten, und bekam nur zwei Antworten. Die erste Wohnungsbesichtigung war wirklich komisch. Nachdem ich mehr als eine halbe Stunde auf den „Vermieter“, welcher eigentlich nur ein Bewohner war und sich als Vermieter ausgab, wartete, führte er mich in ein widerliches Loch. Im Wohnzimmer saßen 3 Jungs mit ihren Laptops, überall stank es nach Drogen und Alkohol und der Boden war so dreckig, dass meine Füße auf dem Teppich (!) kleben blieben. Als ich nach dem Zimmer fragte, deutete er auf einen Vorhang mitten im Wohnzimmer, hinter dem eine zerrissene Matratze auf dem Boden lag. Auf meine Frage, ob er das ernst meint, sagte er nur „Ja, aber dafür zahlst du nur 120$/Woche. Wir zahlen alle 140$.“ Danach bin ich rückwärts wieder raus und habe nicht mal mehr Tschüss gesagt.

Die zweite Wohnung war schon wesentlich exklusiver. Sie war im 17 Stock, mitten am Darling Harbour (5 Gehminuten von Opera House und Harbour Bridge entfernt, also die beste Lage in Sydney), sehr sauber und man hatte sogar Zugang zu einem Pool, Gym und Sauna. Allerdings kostete sie 200$/Woche, was aber auch noch in meinem Budget gewesen wäre. Eigentlich die perfekte Wohnung. Ich weiß nicht genau wieso, denn alles schien perfekt zu sein, aber tief in mir drin wusste ich, dass ich dort nicht einziehen sollte. Und im Nachhinein war das auch absolut richtig, denn sonst hätte ich nie die perfekte Wohnung mit all den tollen Leuten gefunden, in die ich letztendlich eingezogen bin. Meine geliebte 902.

Wie ich sie gefunden habe, warum ich dort meine coolste Zeit überhaupt hatte, und vor allem was diese Zeit so einzigartig und unvergesslich machte, erfahrt ihr bald in meinem Blogpost über den zweiten Monat in Australien.

 

Wer schreibt hier?

Hi, ich bin Alex! Reisen war schon immer meine Leidenschaft. Nach vielen Trips quer durch Europa und knapp einem Jahr in Australien, bin ich jetzt erst mal wieder in Deutschland gestrandet. Da mich allerdings der "Travelbug" gebissen hat, geht das Reisen natürlich weiter! Hier findest du Erfahrungen aus erster Hand, hilfreiche Tipps und Empfehlungen. Enjoy!

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